1. Pädagogische Grundidee
Die Lernzeit ist ein fester Bestandteil des Ganztagsangebots unserer Grundschule. Sie ergänzt den Unterricht und dient der Vertiefung, Sicherung sowie Erweiterung der im Unterricht erworbenen Kompetenzen. Im Mittelpunkt steht die individuelle Förderung und Forderung der Schülerinnen und Schüler unter Berücksichtigung ihrer unterschiedlichen Lernvoraussetzungen, Lerntempi und Interessen.
Ziel der Lernzeit ist es, die Kinder in ihrer Lernentwicklung ganzheitlich zu unterstützen und sie zunehmend zu selbstständigem und verantwortungsbewusstem Lernen zu befähigen.
- Zielsetzung der Lernzeit
Die Lernzeit verfolgt folgende Ziele:
- Sicherung und Vertiefung von Unterrichtsinhalten
- Individuelle Förderung bei bestehenden Lernschwierigkeiten
- Forderung leistungsstarker Schülerinnen und Schüler durch weiterführende Aufgaben
- Entwicklung von Selbstständigkeit, Ausdauer und Lernorganisation
- Entlastung der Familien durch die Bearbeitung schulischer Aufgaben im Ganztag
Die Lernzeit bietet einen geschützten Rahmen, in dem Lernen ohne Zeitdruck möglich ist.
- Lernzeit und Hausaufgaben
Die Lernzeit umfasst die Bearbeitung von Hausaufgaben sowie zusätzliche individuelle Lernaufgaben. Hausaufgaben werden nach Möglichkeit vollständig in der Lernzeit erledigt. Dadurch wird die häusliche Lernzeit reduziert und der Nachmittag für Erholung, Freizeit und Familie freigehalten.
Die Hausaufgaben können in der Regel lediglich auf Vollständigkeit überprüft werden.
Über die klassischen Hausaufgaben hinaus erhalten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, differenzierte Aufgaben zur Wiederholung, Vertiefung oder Erweiterung der Lerninhalte zu bearbeiten.
- Individuelle Förderung und Forderung
Die Lernzeit bietet die Möglichkeit, sich auf die individuelle Förderung und Forderung zu konzentrieren. Die Aufgaben werden dann auf der Grundlage von Lernstandsbeobachtungen, Diagnosen und Rückmeldungen aus dem Unterricht ausgewählt.
- Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf erhalten gezielte Übungsformate und unterstützende Materialien.
- Leistungsstarke Schülerinnen und Schüler bearbeiten weiterführende, vertiefende oder offene Aufgabenstellungen.
Die Lernzeit ermöglicht somit differenziertes Arbeiten innerhalb einer heterogenen Lerngruppe.
- Organisation und Ablauf
Die Lernzeit findet an festgelegten Tagen und in festen Zeitfenstern im Ganztagsablauf statt. Die Lernzeit der Erst- und Zweitklässler findet im Anschluss an das Mittagsessen in der Zeit von 12.55 – 13.40 Uhr statt. Die Lernzeit der Dritt- und Viertklässler ist aufgeteilt in die SegeL-Zeit von 7.45 – 8.00 Uhr und die Arbeitsphase nach dem Mittagessen in der Zeit von 13.45 -14.15 Uhr. Die Bezeichnung SegeL steht für selbst gesteuertes Lernen. Diese Zeit vor der ersten Stunde ermöglicht allen Kindern der dritten und vierten Klassen, sich noch vor Unterrichtsbeginn mit selbst gewählten Aufgaben zu beschäftigen oder anfallende Hausaufgaben zu erledigen. Auf diese Weise wird die Hausaufgaben- und Übungszeit am Nachmittag (nach einem anstrengenden Schulvormittag) entlastet.
Die Lernzeit ist klar strukturiert und folgt einem wiederkehrenden Ablauf:
- Kurze Einführung und Klärung der Arbeitsaufträge
- Selbstständige Arbeitsphase
- Unterstützung und individuelle Hilfestellung
Je nach Klassenstufe, Lerngruppe und Arbeitsauftrag arbeiten die Kinder einzeln, in Partnerarbeit oder in kleinen Gruppen.
Die Schülerinnen und Schüler
- notieren die Aufgaben zuverlässig in ihrem Hausaufgabenheft, sofern sie keinen Hausaufgaben-Wochenplan haben.
- bearbeiten eigenständig die individuellen Lernaufgaben (Übungshefte) oder arbeiten Aufgaben aus dem Unterricht auf.
- achten darauf, dass alle benötigten Hefte und Materialien im Ranzen sind.
- passen bei Erklärungen der Hausaufgaben im Unterricht auf und fragen ggf. nach.
- bemühen sich zügig, konzentriert und selbstständig zu arbeiten.
- verhalten sich leise und rücksichtsvoll, damit alle gut arbeiten können.
- achten auf eine sorgfältige und übersichtliche Heft- und Mappenführung.
- geben zuverlässig Auskunft, ob sie fertig sind oder nicht.
- Rolle der pädagogischen Fachkräfte
Die Lernzeit wird von Lehrkräften sowie pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern begleitet. Ihre Aufgaben bestehen darin,
- die Schülerinnen und Schüler beim selbstständigen Arbeiten zu unterstützen,
- individuelle Lernprozesse zu beobachten,
- bei Bedarf gezielte Hilfestellungen zu geben,
- eine ruhige und lernförderliche Arbeitsatmosphäre zu schaffen.
Die Fachkräfte verstehen sich dabei als Lernbegleiterinnen und Lernbegleiter, nicht als Ersatz für den Unterricht.
- Förderung der Lernkompetenz
Ein wesentliches Ziel der Lernzeit ist die Förderung von Lern- und Arbeitstechniken. Die Schülerinnen und Schüler lernen,
- Aufgaben zu planen und zu strukturieren,
- Materialien sinnvoll zu nutzen,
- Arbeitsphasen einzuteilen,
- ihre Ergebnisse zu überprüfen und zu reflektieren.
Durch regelmäßige Reflexionen werden die Kinder darin unterstützt, ihre eigenen Stärken und Lernbedarfe wahrzunehmen.
- Zusammenarbeit und Kommunikation
Die Lernzeit ist eng mit dem Unterricht verzahnt. Regelmäßige Absprachen zwischen Lehrkräften und pädagogischem Personal sichern eine kontinuierliche und zielgerichtete Förderung. Um eine enge und schnelle Kommunikation zwischen den Verantwortlichen der Lernzeit und den jeweiligen Lehrkräften zu ermöglichen, gibt es in jeder Lernzeitgruppe ein Austauschheft, das an einem vereinbarten Ort hinterlegt wird. So erhalten die Lehrkräfte eine direkte Rückmeldung, wenn z. B. die Aufgaben von einzelnen Schülerinnen oder Schülern nicht geschafft wurden und was die Gründe dafür sein könnten. Falls Überforderung die Ursache ist, sollte ggf. mit differenzierten Aufgaben reagiert werden. Falls es am Arbeitsverhalten liegt, müssen die Aufgaben in der Pause nachgeholt werden. Hier entscheidet die jeweilige Lehrkraft.
Eltern können sich jederzeit über Zielsetzung und Organisation der Lernzeit informieren. Die Lernzeit ersetzt nicht die elterliche Begleitung, trägt jedoch zu einer transparenten und verlässlichen Gestaltung schulischer Lernprozesse bei.
Ausnahmen
Bestimmte Hausaufgaben können aus organisatorischen Gründen nicht in der offenen Ganztagsschule durchgeführt werden. Hierzu gehören z.B.:
- mündliche Hausaufgaben
- das Üben des 1x1 und Kopfrechenaufgaben
- Leseübungen
- Informationen zu einem Thema sammeln
- Aufgaben im praktischen Bereich (Messen, Wiegen …)
- auswendig lernen von Texten, Liedern und Gedichte
Diese Aufgaben müssen zu Hause erledigt werden. Die Eltern
- … sorgen zu Hause für einen ruhigen Arbeitsplatz und eine positive Lernatmosphäre.
- … halten ihre Kinder zu einer sorgfältigen und übersichtlichen Heft- und Mappenführung an.
- … vergewissern sich, dass alle Aufgaben erledigt wurden.
- … halten ihre Kinder an, die Schultasche aufzuräumen (Vollständigkeit der Arbeitsmaterialien, Kontrolle der Postmappe…).
- Evaluation und Weiterentwicklung
Die Umsetzung der Lernzeit wird regelmäßig überprüft und weiterentwickelt. Beobachtungen, Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler sowie der beteiligten Fachkräfte fließen in die Evaluation ein.
Ziel ist es, die Lernzeit fortlaufend an die Bedürfnisse der Kinder sowie an die schulischen Rahmenbedingungen anzupassen.



